Globalisierung multipliziert Vielfalt

4. Januar 2013

TV-Tipp: Bildungsforscher Prof. Dr. Louis Henri Seukwa
@Hamburgisch by Culture

Der Professor für Erziehungswissenschaften an der HAW Hamburg weiß, was interkulturelle Kompetenz ist – und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Er, der seine Geburtsstadt Yaounde früh verlassen hat und in insgesamt 12 Städten aufgewachsen ist, erforscht seit Jahren die Bedingungen von Migration. Für sein Buch „Der Habitus der Überlebenskunst“, eine Studie über Flüchtlinge in Deutschland,  erhielt Prof. Seukwa u.a. den Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Kompetenz. Heute ist der interkulturelle Bildungsforscher nur noch teilweise in Hamburg, an europäischen Universitäten ist transnationale Kooperation gefragt. Und damit die Kompetenz dessen, der sich schnell überall einzúfinden vermag. Also ist Dr. Louis Henri Seukwa wieder unterwegs, von Barcelona nach Florenz, Glasgow, Göteborg, Marseille über Stockholm und Wien zurück in die Hansestadt.

Professor Dr. Louis Henri Seukwa und Petra Sorge dos Santos

Petra Sorge dos Santos im Gespräch mit Prof. Dr. Louis Henri Seukwa

Mit Petra Sorge dos Santos spricht er vom Preis der Multifokalität seiner Kindheit, warum er seine Söhne für typische Hamburger hält und von den Subkulturen der Großstadt am Beispiel St.Georgs.  Professor Seukwa zeigt in Hamburgisch by Culture einen modernen Blick auf Hamburg, das sich mit anderen multikulturellen Großstädten im Wettbewerb um die besten Fachkräfte befindet. Und was die hybriden Städte der Gegenwart in Zukunft immer mehr brauchen: die Vielfalt ihrer Bewohner erkennen und anerkennen.
FR. 4.1. um 21:30h , Wh SO 6.1. um 22:30h auf  TIDE TV
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Besser Wahrnehmen – Vielfalt zulassen

28. November 2012

Von den Anfangsschwierigkeiten beim Diversity Management

Keine ungewöhnliche Situation  – die amerikanischen Führungsriege eines internationalen Konzerns wollte mehr europäische Manager in ihren Reihen haben. Edgar Schein, der Guru der Organisationskultur,  berichtet, was dann passierte.
Die Manager schauten sich einige erfolgversprechende Kandidaten an, konnten aber keinen ganz und gar geeigneten finden. An jedem war etwas auszusetzen. Der aussichtsreichste Kandidat war schließlich ein Italiener. An ihm bemängelten sie jedoch, dass er zu emotional sei.  Ihrer Vorstellung nach konnte ein „emotionaler“ Mensch keine klaren Entscheidungen treffen.
Das war eine so tief verwurzelte Annahme, dass sie gar nicht mehr hinterfragt wurde. In Wirklichkeit suchten diese amerikanischen Manager nach ihresgleichen in Europa. Sie wussten es bloß nicht, und das war ihr Problem.

Edgar Schein*  behauptet, dass unter jeder Kultur eine Schicht von Annahmen und Werten liegt, die nicht mehr hinterfragt werden. Auf dieser Ebene bewegt sich sprachlich das „man“. Man weiß, was sich gehört. Man hält sich dran.

Geteilte Annahmen und Werte sind ausgesprochen wichtig für eine Gemeinschaft. Es geht dabei um Konventionen, enger oder weiter gefasste, oberflächlichere oder tiefgreifendere Konventionen, die einer Gruppe das gemeinsame Leben erleichtern.

Wenn nun Fremde in diese Kultur gelangen, in ihr landen oder sogar eingeladen werden, funktionieren manche Selbstverständlichkeiten nicht mehr. Das können Kleinigkeiten sein, wie das Lachen über Ostfriesenwitze oder das Essen mit Messer und Gabel. Es kann aber auch zu schwerer wiegenden Problemen kommen, wie bei der Interpretation von Körpersprache oder der Bewertung von Männer- und Frauenverhalten.

Wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass man bereits auf der Basis von unausgesprochenen Annahmen wahrnimmt.

Der Andersartigkeit Platz zu machen, bedeutet also, die sichere, bequeme Sichtweise der gemeinsamen Annahmen und Werte ablegen zu können. Das ist nicht leicht und außerdem unbequem. Andererseits geht es nicht darum, neu auszuhandeln, ob man bei Grün, Rot oder Blau über die Straße gehen darf. Es geht auch nicht darum, das, was gestern schlecht war, heute gut zu finden.

Wichtig ist, die eingeschränkte Perspektive zu erweitern und klarer auf der Grundlage umfassender Einsichten zu urteilen. Eben nicht nach dem ersten Impuls, scheinbar objektiv nach „Sachlage“, sondern im Bewusstsein der eigenen Subjektivität.

Elisabeth Göhring,
Herausgeberin www.unternehmenskultur-magazin.de

Zum Vertiefen
*Edgar H. Schein, „Prozessberatung für die Organisation der Zukunft“, EHP Organisation, 2003 (S.131)

Ergänzende Artikel:


Deutsch-afrikanische Brücken bauen

3. August 2010
Hamburgisch by Culture mit Networker Chris Ezeh

Der nigerianische Journalist war entsetzt, als er 1990 die europäische Berichterstattung über seinen Kontinent Afrika kennenlernte:  Krankheit, Krieg und Korruption. Es sollte fast 15 Jahre dauern, bis Chris Ezeh sein ‚Positive Africa‘ auch öffentlich dagegen setzen konnte.

Zunächst entschied er sich, einen von Deutschen nicht nachgefragten Beruf zu lernen. Chris Ezeh wurde Krankenpfleger, qualifizierte sich in der Intensivmedizin und ist inzwischen interkultureller Gesundheitsmediator.
Doch sein afrikanischer Unternehmergeist hat ihn nicht ruhen lassen. Mit EMAFA bringt er heute gutbetuchte ausländische Patienten in Hamburgs Kliniken, und die deutsche Gesundheitsbranche trainiert er in interkultureller Kompetenz.

Die Brücke funktioniert inzwischen auch medial in beide Richtungen, vor 6 Jahren schuf er das EuroAfrica Online-Magazin und mittlerweile ist mit EACN ein zweisprachiges Netzwerk gewachsen, mit dem Chris Ezeh interkulturelle Brücken von Deutschland nach Afrika und in die Diaspora weltweit baut.

Mit Petra Sorge dos Santos spricht er über deutsch-afrikanische Missverständnisse, das Hamburg Welcome Center sowie darüber, wie man als Einwanderer mit der Hamburger Mentalität gut klar kommt.
Hamburgisch by Culture  SO 5.4. um 22.30h auf TIDE TV.


Deutschlands Nr.1 für Bunte Republik

3. Juli 2010
Programmatische Antrittsrede des neuen Bundespräsidenten

Treffen der Kulturen von petra hhLang hat’s gedauert, doch jetzt ist es überraschenderweise ein christdemokratischer Bundespräsident, der sich für ein buntes Deutschland stark macht.

Aus urdeutscher Disziplin und türkischem Dribbling entstehe etwas Neues und Gutes und Christian Wulff ermutigt, „das Verbindende statt dem Trennenden in unserer bunten Republik zu suchen“ . Mehr aus der programmatischen Antrittsrede des frischgebackene Bundespräsidenten.

Auch lifestylemäßig wird Wandel markiert: Kaum im Amt, schon feiert Christian Wulff die erste Party im Schloß Bellevue. Doch der traditionelle Amtssitz wird nicht der Wohnsitz der deutschen Patchworkfamilie Nr. Eins sein.“Wir sind jetzt auch Wohnungssuchende“, spricht die junge First Lady ins Mikrofon.

„Da kündigt sich ein Paradigmenwechsel an“ kommentiert Petra Sorge dos Santos, „der Bundespräsident hat Diversity zum Leitbild erhoben, jetzt müssen Taten in Wirtschaft und Gesellschaft folgen. Die Profis für kulturellen Wandel stehen bereit.“
Sie selbst verbindet seit 1995 mit CL!C -Crossculture, Linking and Consulting- „das Beste aus verschiedenen Welten“.

Treffen der Kulturen von petra hh

Afrikanische Österreicherin eröffnete Forum „Ressource Vielfalt!?“

11. März 2010

Beatrice Acheleke

Mehr als 200 TeilnehmerInnen waren dabei, als Beatrice Acheleke das SIETAR-Forum am Donnerstag, den 25.2. mit ihrer Keynote auf, wie es bei ihr heißt, Diversität einstimmte. Fokus ihrer pfeffrigen Ansprache aus gesellschaftpolitischer Perspektive: Die Krise, eine Chance zum Umdenken. mp3.

Die international ausgezeichnete Österreicherin aus Kamerun ist u.a. Gründerin des Black European Women’s Council. Seit vielen Jahren arbeitet sie mit Schwarzen Frauen, zu Menschenrechtsfragen und Community Development.
Vom 11.-12.3. veranstaltet sie mit diversity-erprobten Sprechern aus aller Welt in Wien den  World Diversity Leadership Summit.

Petra Sorge dos Santos
www.clic-interculture.com


Vielfalt in aller Munde

7. Oktober 2009

Die Beilage wird zum Menü

Cover SZ Beilage

Wurde Diversity auf der Speisekarte von Personalentwicklern bis vor kurzem noch als Beilage gehandelt „kann man, muß man aber nicht“, so rutscht das Thema immer mehr ins Zentrum. „Sollte man“ so empfinde ich  das Resümé der jüngsten  Job & Karriere- Beilage der SZ. Das  Magazin „Vielfalt erleben“, herausgegeben von 3 Unternehmen mit Diversity-Erfahrung, thematisiert folgende Aspekte:


Diversity beginnt im Kopf

29. September 2009
cover vielfalt Brnd1

Uniformierte Vielfalt

Wie sehr unser Leben unter dem heimlichen Leitbild der Monokultur verarmt, ist nicht nur in der Tier- und Pflanzenwelt zu beobachten. Der Umgang mit Vielfalt, dem Unverwechselbaren, dem Zulassen von Besonderheit, all das ist eine Herausforderung an Deutschland – in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Für viele ist dieser Challenge unbequem. Immer mehr sehen jedoch die vielfältigen Chancen.

Diversity erlaubt und fordert uns, immer wieder neu zu schauen. Denn „diverse“, das ist nicht nur die Welt da draußen, auch in unserem Kopf existiert bereits ein vielfältiger Mikrokosmos. Dieses eigene Universum besser zu verstehen, bedeutet, viel an Wertschätzung zu gewinnen – für sich und für andere.

 Zum Kennenlernen der eigenen Vielfalt gibt es inzwischen differenzierte Profilanalysen. Mit Beratung von Robert Dilts wurde  in Hamburg der Identity Compass®  von Arne Maus entwickelt. Für den internationalen Einsatz gibt es ihn  bereits in 16 Sprachen.

Wie die innere Diversity gelesen und für die Diversity-Arbeit draußen genutzt werden kann, das beantwortet ein Einführungs-Workshop für Personaler und Coachs am 6.11.09  in Hamburg: Diversity beginnt im Kopf .