Geschichte-n-Erzählerin aus den Kapverden

18. Juni 2012

Celina Pereira @Radio Transglobal

Celina Pereira

„Grünes Kap“ – der Name des Archipels  vor Westafrika  täuscht. Nur einzelne Inseln sind grün, die anderen haben mit Sand- und Steinwüsten zu kämpfen, das ökonomische Überleben ist schwierig. Die Kapverden gehören deshalb zu den Ländern mit der größten Diaspora, rund 2/3 leben weltweit verstreut im Ausland. Celina Pereira ist eine von ihnen.

Im Dreieckshandel der Kolonialzeit wurden die Kapverden zum Dreh-und Angelpunkt für Seefahrer aus aller Welt. Arm an Rohstoffen und Infrastruktur waren sie immer schon reich an Musik. Ob Morna, Funaná oder Batuque, jede Insel hat ihre eigene Tradition. Celina Pereira ist mit der kapverdischen Musik groß geworden,  seit ihrem 5. Lebensjahr steht sie als Sängerin auf der Bühne. Was Cesária Evora aus unserer Sicht in den 90ern für die Kapverden wurde, war Celina Pereira aus Sicht ihrer Landsleute bereits  in den 60ern: die Ikone der Kapverden.

Seit den 70ern widmet sie ihr Engagement der Diaspora, den vielen Kapverdeanern in Übersee. Zunächst initiierte sie das Casa de Caboverde in Lissabon, über politische Allianzen mit den seelenverwandten Guineensern hinweg wurde daraus später die Associação Cabverdiana em Lisboa, ACV. Heute ein Treffpunkt für jung und alt, Business und Kultur.

Die erfolgreiche Sängerin mochte nicht tatenlos zusehen, wie die musikalische Tradition der Kapverden im Zuge der Öffnung zum Westen jährlich verfiel. Durch Auswanderung einerseits und touristische Überfremdung andererseits (All-inclusive Hotels auf den Inseln Sal und Boavista) wurde das Wissen nicht mehr an die Jugend tradiert. Hier liegt das besondere Engagement von  Celina Pereira. Mit den Methoden der Oral History sprach und recherchierte sie über Jahre bei den Älteren, den Musikern und Sängerinnen wie auch in der Alltagskultur. So rettete sie traditionelle Lieder von Hochzeit und Beerdigung wie auch und vor allem Kinderlieder vor dem Vergessen.

Corte do Transglobal -> Celina Pereira

Die traditionellen Kinderlieder nahm sie dann mit in die Communities der Diaspora. Beginnend in Massachusetts über New York, Holland und Frankreich, unterrichtete die mehrfach ausgezeichnete „Estoriadora“ in Portugal und Jahre später dann  auch in ihrer Heimat.
Mehr über die Geschichte-n-erzählerin in der jüngsten Ausgabe von Radio Transglobal unter dem Titel „Melting Pot Lisbon“.  Transglobal Junho 12  mit Auszügen aus ihrer CD „Estória, estória  no Archipélago das Maravilhas“.
Die größte kapverdische Community Deutschlands lebt – wie könnte es für  meergewohnte Insulaner anders sein- in Hamburg. Mal sehen, wann wir die Griotte der Kapverden wieder bei uns begrüßen können.

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Petra Sorge dos Santos

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