Was für ein Leben!

26. Februar 2014

TV-Tipp: AfroHamburgerin Marie Nejar, Vorbild an Resilienz

Wie frau an doppelter Ausgrenzung – eine Familienkonstellation voller Exklusion  in einer Zeit mit rassistischer Verfolgung – wachsen und Resilienz fürs Leben entwickeln kann.  Beeindruckend einfach und klar: Marie Nejar.
Sehen Sie eins meiner beeindruckendsten Gespräche in einer Wiederholung von 2010.

Zwischen Rampenlicht und Ausgrenzung kann das Leben ganz normal sein, findet Marie Nejar. „Doch Mensch sein, das ist nicht einfach“.

Geboren in die von den Nazis geprägten 30er Jahre, wuchs das kleine Schwarze Mädchen im damals schon sozial bunten St.Pauli auf. Ihre Großmutter,  eine verstoßene Wüstenfeld, selbst Enkelin der Pionierin von Frauenbildung und Sozialarbeit in Hamburg, hatte von Maries Existenz erst nach drei Jahren erfahren, und holte die unehelich geborene Enkeltochter aus dem Waisenhaus. Manche Eltern wollten ihren Kindern zwar den „gefährlichen Umgang“ untersagen, für ihre Freundinnen war Marie Nejar das Mädchen von nebenan. Aufgrund der Nürnberger Rassengesetze von 1935 konnte sie jedoch ihre Schulausbildung nicht beenden und wurde zur Zwangsarbeit in einer Fabrik verpflichtet. Mit Hilfe einer liberalen Klassenlehrerin, eines jüdischen Arztes und der Menschlichkeit von Polizisten der Davidswache konnte sie die ersten Jahre überleben. Ihre Hautfarbe brachte sie später zum (Propaganda)Film, an die Seite des legendären Hans Albers.
LP Leila NegraIn den 50ern machte ihre musikalische Begabung sie als Leila Negra berühmt. Auch wenn sie mit Sängerkollegen Peter Alexander über die Kindchen-Klischees, die ihr zugemutet wurden, lachen konnte, mit dreißig setzte sie dem Star mit Tedddy-Bär ein Ende. Ihren geliebten Jazz durfte sie nicht singen. Marie Nejar wollte danach ein ganz normales Leben führen und wurde Krankenschwester am Hamburger UKE.

Buch traurige AugenIm Gespräch mit Petra Sorge dos Santos erzählt sie von den nächtelangen Gesprächen der kleinen Marie mit ihrer Oma, warum ihre Mutter einfach nur eine Fremde war und wie sie sich mit 80 noch so fit hält. Erfahren Sie mehr über Hamburger Mentalität, „Manchmal ein bißchen ruppig und leicht pikiert“, eine gewisse Widerständigkeit der St.Paulianer, und über die Vorzüge der schönen Hansestadt „bei Sonne draußen im Café sitzen“ und was für Marie Nejar außerdem typisch an ihrer Heimat Hamburg ist. Sie, die so viel Ausgrenzung erlebt hat, macht sich abschließend stark für mehr Inklusion.

Das ganze Interview auf TIDE TV. Mehr über Marie Nejars Jugend im Dritten Reich in ihrer lesenswerten Biografie.


„Hamburg braucht Philosophie der Gastfreundschaft“

31. Oktober 2011
Fanny Dethloff @ Hamburgisch by Culture

Fanny Dethloff liebt Menschen und auch ihre Talare. Doch seit Jahren steht die Pastorin nicht mehr in Langenhorn auf der Kanzel. Allerdings wird sie heute deutschlandweit gern zu Gastpredigten eingeladen. Denn sie ergreift das Wort für diejenigen, die in besonders schweren Situationen leben: Flüchtlinge.
Ob vor der Ärztekammer, bei Abschiebungen am Hamburger Flughafen oder in Zeltlagern auf Malta, quer durch Europa macht sich die Flüchtlingsbeauftragte stark für Bleiberecht von Roma-Familien, Vormundschaften für jugendliche Flüchtlinge, Gesundheitsversorgung und Schulbesuche der Papierlosen. Doch auch die Aufnameländer müssen sich ändern…Vielfalt und Einschluß sichern modernen Gesellschaften ihr Überleben.
Fanny Dethloff + Petra Sorge dos SantosIm Gespräch mit Petra Sorge dos Santos spricht die lebensfrohe Fanny Dethloff von ihren Hamburger Vorlieben und Vorbildern und dem, was einer modernen Hansestadt gut zu Gesicht stände.

FR 4.11. um 21:30h auf TIDE TV, Whlg SO 6.11. um 22:30h