Experience InterCulture – AfroBahia

30. Juni 2015

Salvador and its surroundings – Learning Journey Aug 6 to 21, 2015

k4 ssa surdos casa Mae Beata

15 days where Brazil once started

Title Exp InterCultureBrazil began in Bahia. Up to 1763 Salvador, the City of Bahia, had been the capital of the „New World“. We will walk on the afrobrazilian traces  – which are shaped by more than oppression. It’s a history in which Africans and their descendants are actors: About Bamboshés, the wise men from Africa, about quilombos, the Republics of Africans who fled from slavery, the Revolta dos Malé, the uprising of the Alfaiates, the tailors, to strong women like Luiza Mahin, Maria Quitéria or sister Joana Angelica.
The modern Bahia has retained much of its magic and attracts countless tourists from around the world.

We invite you to change perspectives with us

On our journey we also encounter the modern history of Salvador : from the popular resistance towords the disintegration of the old town, from squatting and the legendary Cantina da Lua to the declaration as a UNESCO World Heritage Site. Organizer Watutsi was not only a witness, but especially in the 70s and 80s, protagonist of this story.
BA HH brille mit BAWith him, we will experience how the majority of Black Brazilians (51% in Brazil, 75% in Bahia) is living and is committed to a better life:
for cultural identity, against religious intolerance, for inclusion and against Racism, for Ecology, still for housing as well as for healthy food – as self-employed and business owners, as Iyalorishás (priestesses of the Orisha tradition), as Masters of Capoeira, as restaurant owners or fashion designers, in neighborhood initiatives or associations, in culture or agriculture, at the universities … and in everyday life. We will meet them on our Learning Journey. Another goal is to initiate an exchange, feedback on our experiences, observations and ideas. If this becomes a starting point for more, collaborations are welcome.

After a week in the capital we are heading to Recôncavo, the backcountry that’s like a treasure chest to Salvador, and we take part in the traditional parade of black women in Cachoeira. In Arembepe we finally enjoy beachlife and Capoeira, and we can learn about turtles and palm groves.

map w offer  enJoin us on a unique journey into the Black culture in Brazil – AfroBahia is waiting for us.

Bahia – Inter-cultural experience Aug 6-21, 2015
History and Cultura Afro – Rich Hinterland – Beach and Ecosystem

for quick decision makers registration
Contact Batutsi Production bahhia@watutsi.com
phone +49 40 3571 1171

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„A“ Presidenta

10. September 2014

Kolumne über Frauen und die Macht der Sprache

Gestern hatte unser Honorarkonsul zum brasilianischen Unabhängigkeitstag geladen. Ein interkulturelles Fallbeispiel.

Amtsantritt einer Frau - Präsidentin Dilma

Amtsantritt einer Frau – Präsidentin Dilma

Mitten in einem Gespräch über Frauen im brasilianischen Bürgerrat traf mich quer von der Seite die Belehrung einer jungen Brasilianerin.  Brasiliens Presidenta Dilma Rousseff  müsse richtig „O Presidente“ heißen. Die maskuline Form sei schließlich die allgemeine Form für das Präsidentenamt. Meine Antwort, dass selbst das brasilianische Präsidialamt offiziell von „a presidenta„, der Präsidentin, spricht und schreibt, war in ihren Augen kein Argument.
Da dies kein Einzelfall ist, aber doch bemerkenswert, greife ich jetzt mal in die Tastatur.

Wer würde heute in Deutschland beim Auftritt von Angela Merkel noch sagen „es spricht der Kanzler„? Richtig, vielleicht noch ein paar Ewiggestrige. Frau Merkel ist die Staatenlenkerin Deutschlands und laut Wirtschaftsmagazin Forbes die mächtigste Frau der Welt. Sie verdient eine Bezeichnung, hinter der die Frau sich nicht verstecken muß. Doch nicht nur sie.
Auf meinem Zertifikat der Universität Hamburg heißt es noch „Diplom-Pädagoge“. Damit hab ich mich wie viele andere meiner Generation schon 1981 nicht mehr gemeint gefühlt. Das Primat der Subsumierung von Frauen in der männlichen Berufsbezeichnung ist eine lange, auch deutsche Tradition. Und die hat sich nicht von selbst verändert.

Sprache reflektiert Gesellschaft, gesellschaftliche Veränderungen. Damit unterliegt auch sie selbst dem Wandel.

Von „Vaterland.Muttersprache„,  „Übung macht die Meisterin“ bis hin zur „Geschlechtersymmetrie“ –  die Reflektion von ‚Frauensprache-Männersprache‚ schüttelt Deutschland in Linguistik und Gesellschaft seit Beginn der 80er Jahre. In Brasilien ging es zur gleichen Zeit  um Demokratisierung nach einer langen Diktatur. Die harten Fakten (Existenzsicherung) kamen meist vor den weichen (Diskriminierung in und Exklusion durch Sprache). Dennoch wurde ich während vieler Beratungseinsätze in Brasilien schon in den 90ern Zeugin der Femininisierung des Brasilianisch.  Verständlich, dass Veränderungen wie die Sichtbarmachung von Frauen in der Sprache, zunächst von einzelnen initiiert werden.  Dann werden es immer größere Gruppen, erst danach beginnen Organisationen und Institutionen Sprachänderungen zu übernehmen. Bis zur Anerkennung im Sprach-TÜV, dem deutschen Duden oder dem brasilianischen Aurelio, vergehen allerdings schon mal Jahrzehnte.

Sprache zeigt Haltung

Das Wirtschaftsmagazin Forbes hat Brasiliens Präsidentin, Dilma Rousseff, 2013 zur drittmächtigsten Frau der Welt gekürt. Umso bemerkenswerter finde ich das Beispiel der jungen Frau:  vielleicht eine Studentin, eventuell sogar Stipendiatin des Programms der von ihr auf die männliche Form reduzierten Präsidentin.  Was für ein Paradox, vor mir eine junge Brasilianerin in Deutschland, die für ihre eigene Abkoppelung vom Fortschritt kämpft – sollte ich lachen oder weinen?
Denn sie repräsentiert das junge Brasilien, eine dynamische Generation, die auch in Deutschland etwas bewirken könnte.  Im Gespräch zeigte ihr Verhalten nur das alte Brasilien. Die immer noch starke Definitionsmacht einer kleinen männlichen Elite in einem sich rasant modernisierendem Land. Dabei ist die Mehrheit der 200 Millionen Brasilianer weiblich und jung 1).  Sollte Sprache das nicht widerspiegeln dürfen oder sogar müssen?

Zugegeben, Brasilien ist komplex und eine Gesllschaft mit äußerst vielen Widersprüchen. Wieviel könnte die junge Frau von ihrem Aufenthalt profitieren, wäre sie beweglich im Kopf.  Was für ein einmaliges Privileg, Perspektiven zu wechseln und aus dem fruchtbaren Aufeinandertreffen der Kulturen zu lernen! Doch das geht nicht ohne bewußte Entwicklung der eigenen Kompetenz zwischen den Kulturen. Als Botschafterin 2) des aktuellen Brasiliens, die auch sie, gewollt oder ungewollt, ist.
Vielleicht hat es der jungen Frau aber auch nur an acesso, an Zugang zu Informationen, Zugang zu Veränderungen in ihrem Land gefehlt… Se atualize, mulher! würde ich am liebsten sagen.

Wie sprechen wir Vielfalt und Inklusion?

Als Frau mit viel Erfahrung und Reflexion zwischen Brasilien und Deutschland weiß ich, dass Kommentaren von Nicht-BrasilianerInnen zur ‚Terra Mãe‘  zunächst oft mit Misstrauen begegnet wird. Entendo.
Wer mich kennt, schätzt meine Lösungsorientierung, der ich auch als Coach verpflichtet bin. Hier kommt die brasilianische Antwort. Geeignet zugleich für den Conselho de Cidadania de Hamburgo in der Vorbereitung auf den bevorstehenden Kongreß zu Genderfragen in Brasilia.

Manual Linguagem nao sexistaDas Handbuch, dass nun auch offizell Abhilfe schafft: O „Manual para o Uso não Sexista da Linguagem“, der 112seitige Leitfaden zum nichtsexistischen Gebrauch der Sprache, wurde gerade von der Regierung des Bundesstaats Rio Grande do Sul veröffentlicht.
Unser Thema wird dort ausführlich in Kapitel 6 behandelt – Berufe, die von Frauen ausgeübt werden. Und dort heißt es natürlich „a presidenta“.
Wie auch:

„Der Widerstand gegen die Verweiblichung von Berufen oder Ämtern basiert niemals auf rein linguistischen Argumenten, …, Sprachen sind üblicherweise generös, … die Riegel sind ideologisch.“
“As resistências a feminizar uma profissão ou cargo nunca se baseia em argumentações estritamente linguísticas, porque as resistências não vêm da língua, as línguas costumam serem amplas e generosas, dúcteis e maleáveis, hábeis e em perpétuo trânsito; as travas são ideológicas…”
Eulàlia Lledó Cunill (2002)

In diesem Sinne  hier der Link zum Manual, das die Grammatik in ein wunderbares Lesebuch über die brasilianische Sprache integriert. Mal sehen, ob sich auch die etwas konservativeren BrasilianerInnen mit „A Presidenta“ anfreunden können. Denn eins ist jetzt 4 Wochen vor der Wahl schon sicher: auch ihre nächste Präsidentin wird eine Frau. Unsicher ist nur der Vorname.

Petra Sorge dos Santos

Petra Sorge dos Santos arbeitet als Brasil International Coach mit Professionals aus Deutschland, Brasilien, Portugal und Angola. Die studierte Berufsbildnerin trainiert nicht nur männliche Führungskräfte zu Diversity.
Cultures Change Leadership – CL!CAnm 1+2 Blog1 presidenta

Was für ein Leben!

26. Februar 2014

TV-Tipp: AfroHamburgerin Marie Nejar, Vorbild an Resilienz

Wie frau an doppelter Ausgrenzung – eine Familienkonstellation voller Exklusion  in einer Zeit mit rassistischer Verfolgung – wachsen und Resilienz fürs Leben entwickeln kann.  Beeindruckend einfach und klar: Marie Nejar.
Sehen Sie eins meiner beeindruckendsten Gespräche in einer Wiederholung von 2010.

Zwischen Rampenlicht und Ausgrenzung kann das Leben ganz normal sein, findet Marie Nejar. „Doch Mensch sein, das ist nicht einfach“.

Geboren in die von den Nazis geprägten 30er Jahre, wuchs das kleine Schwarze Mädchen im damals schon sozial bunten St.Pauli auf. Ihre Großmutter,  eine verstoßene Wüstenfeld, selbst Enkelin der Pionierin von Frauenbildung und Sozialarbeit in Hamburg, hatte von Maries Existenz erst nach drei Jahren erfahren, und holte die unehelich geborene Enkeltochter aus dem Waisenhaus. Manche Eltern wollten ihren Kindern zwar den „gefährlichen Umgang“ untersagen, für ihre Freundinnen war Marie Nejar das Mädchen von nebenan. Aufgrund der Nürnberger Rassengesetze von 1935 konnte sie jedoch ihre Schulausbildung nicht beenden und wurde zur Zwangsarbeit in einer Fabrik verpflichtet. Mit Hilfe einer liberalen Klassenlehrerin, eines jüdischen Arztes und der Menschlichkeit von Polizisten der Davidswache konnte sie die ersten Jahre überleben. Ihre Hautfarbe brachte sie später zum (Propaganda)Film, an die Seite des legendären Hans Albers.
LP Leila NegraIn den 50ern machte ihre musikalische Begabung sie als Leila Negra berühmt. Auch wenn sie mit Sängerkollegen Peter Alexander über die Kindchen-Klischees, die ihr zugemutet wurden, lachen konnte, mit dreißig setzte sie dem Star mit Tedddy-Bär ein Ende. Ihren geliebten Jazz durfte sie nicht singen. Marie Nejar wollte danach ein ganz normales Leben führen und wurde Krankenschwester am Hamburger UKE.

Buch traurige AugenIm Gespräch mit Petra Sorge dos Santos erzählt sie von den nächtelangen Gesprächen der kleinen Marie mit ihrer Oma, warum ihre Mutter einfach nur eine Fremde war und wie sie sich mit 80 noch so fit hält. Erfahren Sie mehr über Hamburger Mentalität, „Manchmal ein bißchen ruppig und leicht pikiert“, eine gewisse Widerständigkeit der St.Paulianer, und über die Vorzüge der schönen Hansestadt „bei Sonne draußen im Café sitzen“ und was für Marie Nejar außerdem typisch an ihrer Heimat Hamburg ist. Sie, die so viel Ausgrenzung erlebt hat, macht sich abschließend stark für mehr Inklusion.

Das ganze Interview auf TIDE TV. Mehr über Marie Nejars Jugend im Dritten Reich in ihrer lesenswerten Biografie.


Zwischen Hamburg, Mumbai und der Welt

22. Mai 2013

Anita Shukla @ Hamburgisch by Culture TV

Anita Shukla @Hamburgisch by Culture TV

Anita Shukla @Hamburgisch by Culture TV

Hamburgerin aus Überzeugung und Weltbürgerin mit dem Herzen – Anita Shukla.
Ihre deutsche Mutter und ihr indischer Vater brachten mehr als zwei Sprachen in ihre Erziehung ein. Dönekes aus dem Rheinland, Suaheli aus Uganda und das Bayrisch aus München schärften früh die interkulturellen Sinne. Bereits mit acht dehnte sich ihre Kinderwelt von Mannheim über London bis nach Bombay aus. So waren Anglistik und Indologiestudium später konsquente Mosaiksteine auf dem Weg zur Businessberaterin India-EU, die sie heute ist.

Ein Fachbuch über die IT-Wirtschaft in Indien und die Suche nach qualifizierten Fachkräften für die deutsche Wirtschaft markieren den Weg der heutigen SIETAR-Vorsitzenden und Chair im India Council. In ihren interkulturellen Business-Trainings gelingt es Anita Shukla immer öfter, ihre Leidenschaft für Film und Theater zu integrieren, denn als Schauspielerin bietet sie auch Business-Theater.

Petra Sorge dos Santos und Anita Shukla

Petra Sorge dos Santos und Anita Shukla

Mit Petra Sorge dos Santos spricht sie über „Mother India“ und Hamburger Unterschiede zur britischen Mentalität. Sehen und hören Sie bei „Hamburgisch by Culture“ ausserdem vom Thali um die Ecke, über eine typische Hamburgerin, Rita Mirliauntas, und was Kaffeesack, Container und Schiffe für die Weltbürgerin Anita Shukla bedeuten.


Brasiliens Weisser Schwan in Hamburg

13. Mai 2013

Deutschlandjahr in Brasilien gestartet

NVe Cisne Branco empfängt neben der Alexander von Humboldt

NV Cisne Branco empfängt neben der Alexander von Humboldt

Brasiliens „Weisser Schwan“ hat Eindruck hinterlassen auf dem 824.Hafengeburtstag der Hansestadt.
Vier Tage lag das elegante Segelschiff der brasilianischen Marine zu Repräsentationszwecken an den Landungsbrücken – direkt neben der Alexander von Humboldt II. Der berühmte Forscher und frühe Globalist gleichen Namens hatte bedeutend zur Entdeckung brasilianischer Flora beigetragen.
Auf dem Empfang am Freitag trafen sich Vertreter von Hansestadt, Marine und Wirtschaft sowie Teile der brasilianischen Community mit Offizieren und Crew der Cisne Branco. Zusammen mit dem Chor Covado und der schiffseigenen Band trotzten sie der steifen Brise und genossen die Highlights des Hafengeburtstags.
Auf der traditionellen Auslaufparade am Sonntag, diesmal mit 75 Schiffen aus aller Welt, war die NVe Cisne Branco dann die Nummer Eins.

Heute eröffnet Bundespräsident Gauck das Deutschlandjahr in Brasilien.
Spätestens im Sommer 2014 wird die Hansestadt erneut Vertreter der derzeit 6.größten Ökonomie der Welt empfangen – dann ist Hamburg Gastgeber der Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage.

Petra Sorge dos Santos

Brasiliens No1 der Marine führt Auslaufparade an

Brasiliens Segelschulschiff führt Auslaufparade an


Andere Länder, anderes Networking

9. Mai 2013

was Deutsche von Brasilianern lernen können

Networking,  oder auch der „aktive Prozess des an seinem Netz von Kontakten Bauens“, ist in den letzten Jahren in Deutschland vor allem beruflich relevant geworden.
Networking ist ein universeller Begriff. Doch da gibt es kulturelle Unterschiede, sowohl im Vorgehen und wie auch beim Erfolg.
Bei der Mesa Redonda 1) im Mai wurden deutsche und brasilianische Weisen des Networking kontrastiert. Hier kommen einige der Reflexionen.

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Kontakte ©Yang Liu

Die deutsche Art zu netzwerken

Stellen wir uns eine typisch deutsche Networking-Situation vor. Ein Veranstalter hat eingeladen, die Namensschilder sind ausgeteilt, man steht mit einem Glas in der Hand und sucht, nun auf sich selbst gestellt, nach einem  Gesprächspartner und -thema. Jemanden gefunden, spricht man  sachlich über Fachfragen, Spezialisierung, womöglich eigene Errungenschaften … und der andere? Hört höflich zu oder übernimmt, um dann seinerseits Fachspezifisches,  Spezialisierung oder eigene Leistung zu platzieren.
Entsteht so ein Netz? Eher unwahrscheinlich, doch die Grundlage einer One-to-one Beziehung, zu denen in Deutschland dann additiv mehrere hinzugefügt werden (s.Schaubild)

Networking do jeito brasileiro

Nun eine klassisch brasilianische Networking-Situation. Eine? Schwierig, denn genetworkt wird fast überall.  Dennoch ein paar Basics der Geschäftskommunikation:  man wird dem anderen vorgestellt, oft ergänzt durch einführende und verbindende Informationen. Der Dritte übernimmt mit persönlichen Fragen oder angenehmen Smalltalk, es beginnt die zu 99% erfolgreiche Suche nach Gemeinsamkeiten. Für den Fall, dass die Vorstellung einmal ausfällt, drehen sich die ersten Fragen um die Suche nach gemeinsamen Bekannten. So entsteht eine erste persönliche Bindung.
Ob daraus geschäftlich etwas wird, zeigt sich mit der Zeit, in der das Vertrauen in die Person wachsen muss. Doch dass man diesen neuen Kontakt anrufen, fragen und bei neuen Kontakten einbeziehen kann, ist ziemlich sicher. Er oder sie gehört jetzt zum großen Kreis derer, die jemanden kennen, der jemanden kennt.
Brasilianer schwimmen wie Fische im Wasser, wenn sie sich im Netz ihrer Kontakte bewegen. Networking ist quasi eine brasilianische Kulturkomptenz.

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Ego ©Yang Liu

Behind Culture: Bedeutung des Ich

Bevor Brasilianer und Deutsche zum Networking überhaupt an den Start gehen, unterscheiden sie sich schon in ihrer Grundausrüstung.  Nehmen wir nur einen wesentlichen Faktor, die kulturelle Bedeutung des eigenen Ich. Wie beeinflusst er die Fähigkeit zur Vernetzung mit anderen Menschen?

Entdeckung und Förderung des Ich sind Teil des abendländischen Wertekanons. Und das hat Folgen.
Kinder in Deutschland werden beispielsweise früh aufgefordert, allein zu spielen, Wünsche zu artikulieren, Nein zu sagen oder sich zu verteidigen.  Während  so ihr individuell geprägtes Ich ganz automatisch wächst, werden Brasiliens Kinder noch immer eher ins kollektive Ich initiiert. Angehalten,  ihr Spielzeug zu teilen, an andere zu denken und mit ihnen Kontakt aufzunehmen,  lernen sie, die Harmonie in der Gruppe nicht zu stören oder sie sogar herzustellen, Egoismen sind verpönt. Was für Kinder Lernaufgabe war, ist bei Erwachsenen als Kulturmuster internalisiert,  längst unsichtbar – aber wirksam, in allen Bereichen. Kein Wunder, dass Herangehen und Bedeutung von Networking sich in beiden Ländern unterscheiden.

Ein interessanter Aspekt global betrachtet ist, dass man sich in vielen Ländern der Welt 2) eher auf die „brasilianische“ Weise vernetzt. Da haben wir Deutsche noch einiges aufzuholen, denn „Networking“ gehört inzwischen zu den Global Business Skills.

Petra Sorge dos Santos

1) Die Mesa Redonda widmet sich den Interkulturellen Reflexionen von In-und Ausländern. Einmal im Monat treffen sich HamburgerInen aus Brasilien, Deutschland, Portugal und Angola zum Reflektieren auf Portugiesisch.
2) Ein Grund, warum die Illustrationen von Yang Liu „Ost trifft West“ auch in diesem Kontext hilfreich sind.

 


Interkulturelles Coaching macht fit für globalen Erfolg

7. März 2013
Viel mehr als ein internationaler Knigge

Immer mehr deutsche Unternehmen drängen in ausländische Märkte. Und immer mehr bereiten sich auf andere Businesskultuen vor.

Zahlen, Daten, Fakten zum Zielland gehören zur Grundausstattung, ohne die sich kein deutscher Profi im Ausland wohlfühlt. Visitenkarten mit zwei Händen, lateinamerikanisches Schulterklopfen oder Geschäftsabschlüsse beim Teetrinken, der Verhaltenstipps gibt es viele – doch was ist gute Vorbereitung?

Intl. Knigge vs Interkulturelel Kompetenz by psds

Internationaler Knigge / Interkulturelle Kompetenz
© Petra Sorge dos Santos

Hoch im Kurs stehen seit Jahren Landeskunde und die Do’s und Don’ts des jeweiligen Ziellandes, gern auch Business-Knigge genannt. Diese Nachfrage ist angesichts der komplexen Anforderungen, denen deutsche Manager im Ausland ausgesetzt sind, nicht mehr state of the art, nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Denn der Unterschied, der heute den Unterschied macht, ist nicht nur angemessenes Verhalten, es ist globales Denken und interkulturelle Kompetenz.

Im 21. Jahrhundert geht es nicht nur um die anderen und ihre kulturellen Verhaltensweisen.

Global Skills

Vielmehr steht für zukünftige Global Player besonders die Erweiterung des eigenen Denkens und Handelns an. Für den erfolgreichen Umgang mit Partnern aus anderen Kulturen braucht es besondere Haltungen und Global Skills, globale Fähigkeiten. Und damit viel mehr als einen Knigge in aller Welt. Ein „Landes-Knigge“ mit Tipps zu angemessenem Verhalten und Benehmen ist als erste Orientierung geeignet, er öffnet die Augen, nicht mehr und nicht weniger. Nicht angelesene oder angehörte Informationen, sondern innewohnende kulturelle Intelligenz heißt der Schlüssel für international arbeitende Führungskräfte. Und für sie braucht es mehr als einen Seminartag, der ihnen nur die Grundlagen legen kann.

Einen Stein ins Wasser werfen

Schlaue Manager bzw. weitsichtige Unternehmen haben Coachs, die verschiedene Kultur-und Fachkompetenzen mitbringen und ihre Coachees in regelmäßigen Sessions vertrauter und selbst-bewußter machen im Umgang mit anderen Businesswelten.
Wie? Ein interkultureller Coach nimmt den Kunden  mit zum virtuellen Rundgang hinter die Kulissen. Dabei konzentriert er oder sie sich auf die jeweilige Denkwelt eines Coachees. Interkulturelle Coachs sind dabei nicht nur Fragensteller, Zuhörer und Informationsgeber. Sie sind auch Übungsleiter, Sparringspartner und -viele Coachs sind weiblich-  Hebamme für so manche Lösung.
Last but not least erleichtern sie das Lernen wie das Umsetzen, denn gute Coachs sind „Facilitator“ – ein  Wort, für das die deutsche Sprache kein Pendant kennt.  Denn das „Leicht-machen“ birgt zwar großen Mehrwert, gehört aber noch nicht zu den deutschen Kulturstandards.

Doch langsam kommt der Trend zum interkulturellem Coaching  auch in Deutschland an.

Petra Sorge dos Santos