Jeder Dritte deutsch-türkische Akademiker plant Karriere in der fremden Heimat
Auch das heißt Globalisierung: Immer mehr deutsch-türkische Akademiker kehren Deutschland den Rücken und suchen ihr Glück in der Türkei. Laut einer Studie des Dortmunder futureorg-Instituts plant jeder dritte deutschtürkische Studierende, seine Karriere in der Türkei zu starten – nicht in Deutschland.
Die Auslöser sind vielfältig, doch nicht zu unterschätzen sind Kommentare wie der einer jungen Akademikerin “ich war es leid, immer wieder gefragt zu werden, warum ich kein Kopftuch trage und ob es nicht falsch ist, dass ich blonde Haare bevorzuge.” Deutscher Kleingeist und Unkenntnis türkischer Kultur auch unter deutschen Intellektuellen motivieren nicht gerade für die Karriere in deutschen Landen, und die vielen Absagen bei türkischen Namen sprechen eine deutliche Sprache. Integration hat immer mindestens zwei Akteure.
Die meisten der jungen Rückwanderer gehen in die Millionenstadt zwischen Okzident und Orient: Istanbul. Die kosmopolitische Metropole bietet ihnen Lebensqualität und Dynamik, die sie in Deutschland nicht finden. “Wenn ich in München ankomme, merke ich, wie langsam ich werde “, so der deutschtürkische Architekt Erdogan Altindis.
Auch beruflich lohnt sich die Rückkehr meist. Dank ihrer guten Ausbildung bekommen die jungen Türken in der neuen alten Heimat eher einen Job, die Aufstiegschancen sind besser, Firmengründungen sind einfacher und unbürokratischer als in Deutschland. Die deutschen Türken bringen “deutsche” Optimierung in die türkische Wirtschaft. “ich zeige, wie günstig sich o mm Abweichung auf den Verkauf auswirken” so ein deutsch-türkischer Ingenieur über Präzision in der Produktion.
Wie alle türkischen Männer kann er sich beim Barbier verwöhnen lassen- Wellness für den Mann. Was in Deutschland gerade erst keimt, ist in der Türkei lange schon eine verbreitete Service-Kultur. Noch ein Luxus ist das Bad im Bosporus, Strandbesuch nach der Arbeit “welcher deutsche Fluß ist so sauber, dass ich in ihm baden kann?” Beispiel Musik: nicht nur Techno mit Bauchtanz oder Jazz mit türkischen Instrumenten lässt sich hier hören, Istanbul ist die Stadt mit den meisten Milonga-Bars – Milonga, das ist argentinischer Tango.
Der Neustart ist nicht immer einfach, die jungen Rückwanderer gelten in der Wahlheimat als Ausländer, die nicht richtig türkisch sprechen. Selbst sehen sie sich als “Deutschländer” und als Hilfe für eine erfolgreiche Integration gibt es Rückkehrer-Stammtische. mp3 “Deutschländer-sein ist wie surfen, nur dass der Wind von zwei Seiten bläst.”
Ihr Vorteil? Sie kennen es, fremd zu sein und haben Ihre Strategien entwickelt. Ein junger Musikproduzent empfiehlt “Beginne Dein Geschäft wie ein Türke und beende es wie ein Deutscher”.
Deutschländer am Bosporus bei arte Wh 8.10.um 11.30h